Food Truck Festival – Kochende Nomaden

In Schweizer Städten boomen rollende Imbissbuden. Sie ziehen mit frischen Gerichten und Ideen Kunden an – und mit originellen Gefährten und guter Laune.

Der Asphalt Schweizer Städte ist ein wirklich hartes Pflaster. Zumindest für Street-Food-Unternehmer: Sie kämpfen gegen einen Mahlstrom von Vorschriften und Verboten seitens ­Feuerpolizei, Arbeitsrecht, Gewässerschutz, Strassenverkehrsamt und Lebensmittelinspektorat – von den Forderungen des eigenen Businessplans gar nicht zu reden.

Gut kochen und buchhalten zu können reicht aber nicht aus. Denn die Nachfrage nach hurtiger Verpflegung generiert fast so viele Konkurrenten wie Kunden. Wie breit das Angebot bereits ist, zeigt sich am 
Ostersamstag beim ersten Berner Food Truck Festival. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.streatfood.ch.

Wir tischen Ihnen fünf der kulinarischen Stras­senkünstler auf.

Palestine Grill, Zürich – Die Friedenskrieger

Es kann nur einen geben: den Chevy P30. «Alles andere ist kein Food-Truck», sagt Sami Khouri, Geschäftsführer des Zürcher Palestine Grill. «Wenn ein Kind an einen Ice-Cream-Wagen denkt, denkt es an dieses Modell, an diese Form.»

Tatsächlich: Der P30 ist eine Ikone. Khouris Exemplar diente früher in der US Army, interne Post. Statt dunklen Feldgrüns schimmert von seinen Flanken aber heute – «so chli ‹Mad Max›-mässig» – das nackt und matt ­geschmirgelte Aluminiumblech.

Sieht nicht nur stylish aus, es passt auch zur Gründungsgeschichte. Denn über Altmetall hat der 30-Jährige zur Gastronomie gefunden: «Für Chromstahl gibts Fr. 1.10 pro Kilo. Mit ein paar grossen Stücken hast du rasch 150 Franken zusammen. An manchen Tagen ist das viel Geld.»

Nachdem Khouri eine Weile Küchen ausgeweidet und verscherbelt hatte, landete er vor zwei Jahren durch 
einen dieser Aufträge unversehens selbst an der Fritteuse – als Pächter einer Imbissbude an der Zürcher Langstrasse.

«Ich hatte keine Ahnung, aber ich dachte: Ich bin Palästinenser, also mache ich etwas Palästinensisches.» Mit Mutters Rezepten eröffnete er den Palestine Grill.

Zu diesem Markennamen bietet der alte Transporter der amerikanischen Armee einen schönen weltpolitischen Kontrast. Khouri zuckt mit den Schultern: «Ich bin schon politisch, aber Krieg gibts genug – unser Essen soll die Leute zusammenbringen.» Der Palestine Grill serviert drei ­Fladenbrotwraps: Sabich («voll ­jüdisch»), Shish Taouk («vo öis») und Falafel («da phauptet eh ali, 
si heget s erfunde»). Und die ­«Friedensplatte» – da ist von allen und allem ein bisschen drin. Peace.

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Die Vier vom Grill: Geschäftsführer Sami Khouri (ganz oben) mit seiner Crew.

La Ribollita, Bern
 – Der Suppen-Samurai

Suppe wird unterschätzt. 
Sie ist nicht einfach Reste­verwertung oder Vorspeise, sondern die Visitenkarte eines Restaurants, sagt Fabian ­Zbinden: «Das habe ich schon in der Kochlehre im ‹Victoria-Jungfrau› gelernt.» Während der Wanderjahre, die Zbinden um den Globus führten, fiel dem 28-Jährigen auf, dass Speisen vielerorts direkt im Brot serviert werden: «Nur nicht in der Schweiz.»

Folgerichtig löffelt der Gast nun die «Supersoup» – weil «mehr Eintopf als Suppe» – direkt aus dem offenen Laib. Das Brot wird von einer Berner Bäckerei exklusiv für Zbinden gebacken. Um die täglich 40 bis 60 Gäste pünktlich ver­köstigen zu können, steigt er um 7.30 Uhr aus den Federn, schnetzelt Gemüse in die 
am Vorabend gekochte Basis­suppe, lässt das Ganze bis zur gewünschten Bissfestigkeit garen und füllt während­dessen seinen selbstgebrauten «Lieblingstee» in Flaschen.

Ab 11.30 Uhr ist Zbinden mit seinem dreirädrigen Piaggio-Lieferwägelchen auf Platz; ­eine alte SBB-Kondukteuren-Kasse umgehängt und mit Stirnband bewehrt – das ­Standeszeichen der japanischen Sushi-Köche war eine weitere Inspiration, der er 
auf einer seiner Bildungsreisen begegnet ist. «Diese Leute sind sehr stolz auf ihren Beruf. Diese Haltung gefällt mir.»

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Fabian Zbinden, der Berner Suppen-Samurai.

Nero’s Pizza, Genf
 – Omertà macht die Pizza knusprig

Max Fischer und Edoardo ­Trivero meinen es ernst mit der Italianità: Der Lieferwagen von Nero’s Pizza ist ein Fiat, der Schinken aus Parma, die Mortadella aus Bologna, das Bier aus Sizilien. Und stellt man eine falsche Frage, zum Beispiel nach dem weissen Pulver, das sie sackweise ­herumstehen haben, gibts ­keine Antwort: Omertà, das Gebot des Schweigens.

In diesem Fall – das ist Italia­nità unter Medienschaffenden – fragt man besser nicht nach. So wird man als Journalist zwar nicht berühmt, dafür alt.

Ausserdem gibts ja sonst viel zu erzählen: dass alle Pro­dukte von Nero’s frisch, lokal und/oder italienisch sind. Dass die Pizza stückweise verkauft wird, damit der Gast von allen Sorten probieren kann. Dass sich Edo und Max an der ­Hotelfachschule in Lausanne kennengelernt haben. Dass 
die beiden Dutzende unterschiedliche Steinofentempe­raturen testen mussten, um den Teig perfekt zu backen. Oder dass Nero’s auch Salate und Desserts anbietet.

Und wenn Sie unbedingt ­wissen müssen, bei welcher italienischen Mühle die beiden ihre Biomehl­mischung ­beziehen: Fragen Sie selbst.

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Pure Italianità: Der Pizza-Truck von Max Fischer (rechts) und Edoardo Trivero (Mitte).

Mrs Burger, Basel
 – Das Burgerfräulein

Im Wagen von Mrs Burger ist es eng, und die Decke hängt tief. Wer hier arbeitet, sollte nicht grösser als 1,73 Meter sein – sonst gibts Beulen.

«Ich wollte immer etwas Eigenes machen», sagt Charlotte Altwegg. Letzten Herbst ­eröffnete die diplomierte ­Hotelière ihren ersten Burger-Truck und schichtet seither täglich ­feinste Zutaten ­zwischen zwei Brotdeckel.

An guten Tagen bereiten die 30-jährige Westschweizerin und ihr Angestellter mittags etwa 70 Hamburger zu, ­«immer à la minute». 
Der ­Kunde kann wählen, ob er das Biorindfleisch aus einer Berner Metzgerei blutig oder durchgebraten essen möchte.

Auch die Beilagen sind hochwertig: saftige Cœur-de-Bœuf-Tomaten; und die Saucen sind allesamt hausgemacht.

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Charlotte Altwegg wollte schon immer «etwas Eigenes machen».

Unmeat, Zürich – 
Mit ohne Fleisch von glücklichen Tieren

Chicken-Nuggets ohne Huhn, Fischstäbchen ohne Fisch 
und Burger ohne Rind – was die Macher von Unmeat in ­ihrem Wagen frittieren und brutzeln, enthält keinerlei tierische Produkte. Trotzdem schmeckt die vegane Kost wie die herkömmlichen Vorlagen, aber exquisiter gewürzt.

Seit letztem Herbst ­tuckert der Food-Truck ­Unmeat durch die Schweiz. Mitgründer ­Martin Hohn hat 15 Jahre lang in der Gastronomie gearbeitet. Dann lernte er seine künftigen Geschäftspartner Theo Favetto und Antonio Villani kennen. «Der Zufall hat uns zusam­men­geführt», sagt der 38-Jährige. Neben dem Food-Truck betreiben die drei den veganen Grosshandel Vee­conomy und beliefern Läden und ­Gaststätten. Viele Tiere ­muhen, blöken, schnattern und gackern lebhaft Beifall.

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Theo Favetto (Mitte) und sein Team verzücken die Kundschaft mit veganem Food.

 

Quelle: Beobachter

Bilder: Gerry Nitsch



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Best of Swiss Gastro ist der einzige Publikumspreis der Schweizer Gastronomie. Er zeichnet jährlich die besten Gastrobetriebe der Schweiz aus und ermöglicht eine langfristige und nachhaltige Präsenz auf der Plattform "www.bestofswissgastro.ch"