Ein Drink an der Bar mit Sarda

Daniela Sarda von der Band «SARDA» gehört zusammen mit Heidi Happy oder Sophie Hunger zu den aufstrebenden Sängerinnen der Schweiz. Soeben hat sie ihre zweite Platte «Olbia» veröffentlicht: Stimmungsvoll-loungige Canzoni von windschiefer Nostalgie, irgendwo zwischen Fellini und Tom Waits.
Storyline trifft die Sängerin Daniela Sarda an einem Montagmorgen um 10 Uhr im «Tearoom Blunt» in Zürich. Es gibt marokkanischen Pfefferminztee. Mit frischem Pfefferminz!
Storyline: Sind Sie eigentlich Schweizerin oder Italienerin?
Daniela Sarda: Ich bin Italienerin. Meine Mutter ist von Sardinien, mein Vater von Sizilien, aber ich bin hier geboren. Zweite Generation. Ich komme aus dem Aargau.
Bewusst?
Daniela Sarda: Ob ich bewusst aus dem Aargau komme?
Nein, ich meine, ob Sie bewusst keine Schweizerin sind.
Daniela Sarda: Nein, aber ich bin ein bürokratischer Faulpelz, deshalb bin ich noch nicht Schweizerin. Vielleicht heirate ich ja einmal einen Schweizer. (lacht)
Wo würden Sie sich mit mir treffen, wenn es nicht Montagmorgen wäre?
Daniela Sarda: Ich gehe gerne in Bars an der Langstrasse in Zürich. Zum einen, weil ich ganz in der Nähe wohne. Andrerseits finde ich es einfach lässig in dieser Gegend. Wir wären vielleicht ins «Matahari» oder ins «Acapulco» gegangen.
Im Acapulco kann man ja gut Karaoke singen. Machen Sie das auch?[nbsp]
Daniela Sarda: Nein, das habe ich noch nie gemacht. Müsste ich eigentlich. Aber ich glaube, meine Freunde wollen nicht mit mir Karaoke singen…
Weil Sie zu gut sind?
Daniela Sarda: Ja. (lacht) Das ist ja eigentlich völlig blöd…
Was trinken Sie gerne in einer Bar?
Daniela Sarda: Ich nehme einen Amaretto Sour. Den lernte ich vor kurzem kennen. Ich glaube, es hat Zitronensaft, Amaretto und Limetten drin.
Eher Orangensaft anstelle von Limetten.
Daniela Sarda: Ok. Wir hatten einen Auftritt im Kaufleuten. Dort bestellte ich einen Amaretto Sour. Nachdem ich zwei, drei dieser Drinks intus hatte, lief das Konzert super! (lacht)
Seither nehme ich immer einen Amaretto Sour vor dem Konzert. Aber er ist natürlich nicht überall gleich.
Wo gibts den besten?
Daniela Sarda: Bis jetzt halt schon in der Kaufleuten-Lounge.
Aber das finden Sie etwas doof, wie es scheint.
Daniela Sarda: Das kann ich so nicht sagen. Man muss ihn einfach überall ausprobieren…
Sehr diplomatisch. Ist das Ihre Konzession ans Berühmt-Werden?
Daniela Sarda: (lacht) Nein, ich möchte einfach niemandem in den Rücken fallen.
Im Matahari finden zurzeit oft diese trendigen Burlesque-Veranstaltungen statt? Mögen sie das?
Daniela Sarda: Ich war noch nie an einem Burlesque-Abend. Aber mir gefällts dort einfach, weils eine lustige Kombination ist zwischen Rotlicht und coolen Zürcher-Szenis.
Mögen Sie es, wenns anrüchig wird?
Daniela Sarda: Hm. Das kanns schon auch werden… Aber vor allem die guten Freunde, die ich dort treffe, sind mir wichtig.
Gibts sonst einen gastronomischen Ort, der für Sie herausragend war?
Daniela Sarda: Im letzten Jahr spielten wir mit Sarda in Sizilien, in Palermo. Das Restaurant hiess «Tonnara» und wir spielten draussen. Es lag direkt am Meer, das Essen war superfein und das Ambiente toll. Das war sehr schön.
Wenn Sie auswärts essen gehen, und ich nehme an, dass das in einem Musikerleben vorkommt, worauf legen Sie dann besonders Wert?
Daniela Sarda: Das Essen muss fein sein, es darf nicht zu teuer sein und die Inneneinrichtung muss stimmen.
Was heisst stimmen?
Daniela Sarda: Also z.B. das Tearoom Blunt gefällt mir, weil es viele marokkanische Elemente hat wie silberne Tischchen, gemütliche Sofas, Kerzen, Blumen. Ich mag es, wenn es eine warme Atmosphäre hat. Supermoderne Hochglanz-Restaurants sind nicht mein Fall.
Können Sie ein Beispiel nennen für ein Hochglanz-Restaurant?
Daniela Sarda: Zum Beispiel das «Les Halles» im Schiffbau…
Sie meinen das «La Salle», dieser ultramoderne Kubus mitten in der historischen Industriehalle.
Daniela Sarda: Ja klar, sorry. Dieser grosse Raum mit den Betonwänden – das ist mir zu kühl. Es soll hip rüberkommen, aber mir fehlt die Atmosphäre.
Das Les Halles 300 Meter weiter hinten entspricht dann vermutlich eher Ihrem Gusto mit seiner wilden Einrichtung und dem integrierten Bio-Shop.
Daniela Sarda: Das ist genau das, was ich mag: klein und auch ein bisschen alternativ.
In alternativen Beizen stellt man ja nicht besonders hohe Ansprüche an den Service. Was erwarten Sie vom Personal?
Daniela Sarda: Das Service-Personal darf einfach nicht übermotiviert sein, das mag ich gar nicht.
Was ist übermotiviert?
Daniela Sarda: Wenn sie dauernd kommen, mit einem Riesensmile und fragen, ob alles ok sei. Sonst erwarte ich einfach, dass es nicht fünf Stunden dauert, bis das bestellte aufgetischt wird.
Wie viel geben Sie aus pro Besuch?
Daniela Sarda: Vielleicht etwa 50 Franken?
Das ist eher im unteren Preis-Segment.
Daniela Sarda: (lacht) Ja.
Mehr lässt die Musikerkarriere noch nicht zu?
Daniela Sarda: Ja. (lacht) Aber ich bin auch nicht die Person, die in Nobelrestaurants verkehrt. Ausserdem trinke ich auch nicht viel Alkohol.
Warum nicht? Offenbar kommts ja gut, wenn Sie Alkohol trinken, wie das «Amaretto Sour»-Beispiel zeigte.
Daniela Sarda: Ja, aber eigentlich habe ich Alkohol gar nicht so gern. Ich trinke ehrlich gesagt lieber eine Cola.
Sie kommen aus einer italienischen Familie, das heisst für mich als Durchschnittsschweizer: Immer das beste italienische Essen, das man sich vorstellen kann. Wie war das bei Ihnen?
Daniela Sarda: Also bei uns war das sehr traditionell: Es gab Pasta. Dann gabs Pasta. Und zum Schluss gabs Pasta. Hin und wieder wurde diese Menüfolge von einer Minestrone oder Fleisch mit Salat unterbrochen. Und da mir das inzwischen zu den Ohren wieder rauskommt, esse ich heute am liebsten Thailändisch.
Kochen Sie?
Daniela Sarda: Ein bisschen. Kommt drauf an, was Sie darunter verstehen. Ich kann Pasta kochen. Und das höchste der Gefühle ist meine Aubergine alla parmigiana, im Ofen überbacken. Aber so richtig ausgeklügelte Gerichte beherrsche ich nicht.
Kochen Sie auch für Ihre Band? Oder werden Sie eher bekocht?
Daniela Sarda: Das kommt eigentlich selten vor, dass ich meine Band bekoche. Kürzlich kochte ich für meinen Pianisten Mike Moling Pasta, weil wir zusammen gearbeitet haben.
Ausgerechnet Pasta?
Daniela Sarda: Ja, aber ich benutzte eine Fertigsauce…
[nbsp]
Wie bitte?
Daniela Sarda: Sorry… (lacht) Schlimm gell.
Was für eine Fertigsauce?
Daniela Sarda: Von der Migros, «Napoli» hiess sie.
War sie gut?
Daniela Sarda: Ja, die war wirklich gut. Mein Mitmusiker fand sie auch gut!
Der war ja Ihr Gast, da wird er sich hüten, etwas gegen Ihre Pasta zu sagen…
Daniela Sarda: Das stimmt. (lacht) Aber ich hoffe, dass er trotzdem genug ehrlich gewesen wäre, es zu sagen, wenn er sie nicht gemocht hätte.
Und Thailändisch kochen Sie auch?
Daniela Sarda: Nein, das esse ich lieber auswärts.
Wo?
Daniela Sarda: Entweder im «Lily’s» oder im «Ah-Hua». Letztere haben zwei Restaurants. Innen siehts fast aus wie eine Kantine. Dafür scheint mir das Essen dort näher am Original-Thailändischen zu sein.
Was ist eigentlich gut für die Stimme, welche Getränke sind ideal?
Daniela Sarda: Ich achte eigentlich auf nichts. Ich glaube nicht, dass Essen oder Trinken einen Einfluss auf meine Stimme haben könnten. Natürlich, man sollte nicht gerade fünf Liter Alkohol in sich reinschütten und drei Zigaretten-Päckli rauchen, aber…
Dann tönts aber mit Sicherheit nach Tom Waits, mit dem Ihre Musik auch schon verglichen wurde!
Daniela Sarda: Das stimmt, dann klingts wie Waits. Vielleicht müsste ich das sogar einmal ausprobieren. Aber sonst singe ich mich einfach gut ein, das reicht mir.
Ihre letzte Platte «Donna Libellula»[nbsp] klang wunderbar sommerlich frisch mit einem Schuss Beatles. Auf dem neuen «Olbia» entdeckt man nun auch viel herbstliche Melancholie.
Daniela Sarda: Wir hätten noch einmal alles so machen können wie bei der ersten Platte. Aber darauf hatten wir keine Lust. Deshalb gingen wir auf Sardinien und nahmen das Album dort auf. Das hat die Arbeit stark beeinflusst.
Man konnte im «Tagesanzeiger» lesen, dass es in Ihrem Domizil mitten in der Pampa gespukt haben soll.
Daniela Sarda: Ja! Das stimmt! (lacht)
Sind Sie abergläubisch?
Daniela Sarda: Ja, ich glaube schon ein bisschen an Geister. Das muss ich zugeben. Die Atmosphäre war wirklich etwas gespenstisch. Ich war schon oft auf Sardinien, da meine Mutter von dort kommt. Dieses Mal waren wir im April unten und es regnete, tagein, tagaus! Das passiert sonst nie! Es war ausserhalb der Touristenzeit und wir lebten in einer Bed[&]Breakfast-Pension, nur wir vier von der Band. Die Pension lag abseits vom Studio auf einem kleinen Hügel. Zum Haus führte ein kleines Strässchen – ohne Licht…[nbsp] Es war schon eine spezielle Atmosphäre…
Sind Sie mit dem Album zufrieden? Die Rezensionen sind viel versprechend: „Musik zwischen Fellini und Tom Waits“, oder „windschiefe Nostalgie“…
Daniela Sarda: Wir versuchten, unsere Musik in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Damit sind wir sehr zufrieden, das ist uns gut gelungen.
Und die unheimliche Atmosphäre auf Sardinien hat das übrige dazu beigetragen.
Sie sind Multi-Instrumentalistin, oder?
Daniela Sarda: Ich spiele Klavier, Gitarre und Handorgel. Und ich singe natürlich.
Also könnten Sie auch als Strassenkünstlerin Ihren Lebensunterhalt verdienen.
Daniela Sarda: Das würde ich gerne einmal machen. Sollte es mit der CD nicht funktionieren, probiere ich das (lacht). Dann würde ich nach Ibiza gehen, in ein Hippie-Dorf und dort mit der Gitarre ein Bisschen jammen.
Also im Grunde genommen sind Sie ein Hippie.
Daniela Sarda: (lacht) Ja, das fände ich cool. Manchmal wäre ich gern einer. Ein freies Leben ..
* Die neue Platte von «SARDA» heisst «Olbia» und ist ab sofort im Fachhandel oder auf der Homepage erhältlich: www.sardamusic.ch
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Bild: Sarda

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