Essen Sie doch schnell was Feines

Fast Food hat ein schlechtes Image. Dabei kann schnelles Essen so gesund sein. Und lecker. Aufs Wochenende ein paar Gedanken zum Hamburger und zur Abenteuerlust beim Kochen.
Schnell heisst nicht gedankenlos – und schon gar nicht achtlos. Hat man das begriffen, geht es dann schnell mit der Liebe zum schnellen Essen. Sie ist gross. Und heiss, oft jedenfalls.
Hier soll es also um Fast Food gehen. Von der Sicht des Kochs aus, denn der will Fast Food auch schnell zubereiten. Und vom Endverbraucher aus – dem Esser. Geniesser. Dem Hungrigen, der in der Mittagspause hurtig sein Loch im Bauch stopfen will.
Doch der Hamburger ist nicht mehr Hamburger. Vorbei die Zeiten, als es ausschliesslich Burger von nicht definierbarer Herkunft gab, die zwischen zwei weichen Brötchen auf einem lahmen Salatblatt ruhten, das Ganze mit künstlicher Mayonnaise garniert. Ein Hamburger kann heute gesund sein. Und übrigens: Gesund heisst nicht unbedingt bio. Sondern selbst gekocht, oder aber gekauft, doch immer mit einer Prise Abenteuer versehen.
Salopp ausgedrückt: Schmeissen Sie in Ihren Fast Food rein, was Sie wollen. Fast Food heisst ja «schnelles Essen». Obwohl das Kochen gerade sehr im Trend liegt, obwohl landauf, landab die Menschen mit den kompliziertesten Rezepten zu imponieren versuchen, und obwohl die Sterne für eine aufwendige, zeitintensive Küche vergeben werden: Manchmal will man einfach nur schnell was essen, aber so richtig schnell! Nach einem langen Arbeitstag zum Beispiel. Klar, es gibt noch die Pizzeria nebenan, den indischen Kurier und, wenn man Glück hat, den Sushi-Lieferanten. Aber das ist nicht dasselbe. Ein Koch, der auch im Herzen Koch ist, muss die Kelle selber rühren. Und – wie man ja gerne sagt – ein Menü hervorzaubern, in weniger als einer halben Stunde, wenn möglich.
Aber eben, schnell kochen heisst nicht automatisch gedankenlos und achtlos kochen. Das sagt auch Nigel Slater, der in seinem Buch «Eat. Das kleine Buch der Fast-Food-Küche» 600 Rezepte versammelt. Alle sind, soweit wir das beurteilen können, in weniger als dreissig Minuten gekocht. Und trotzdem gut. «Ich habe tiefen Respekt für altehrwürdige Rezepte», sagt Nigel Slater, aber auch: «Das Kochen sollte auf jeden Fall eine unbeschwerte, schwungvolle Sache sein, lebendig und erfüllt von Erfindungen, Experimenten, Appetit und einem Gefühl der Abenteuerlust.» Das sehen wir genau so. Wenn wir beim Hamburger bleiben, kommt zwar Neues hinein, aber immer noch geht es schnell, einen Burger herzustellen (und zu essen). Boden und Deckel könnten aus Vollkornbrot gemacht sein, mit vielen gesunden Kernen. Hack kann Hack sein, aber auch eine selber hergestellte Pouletmischung oder Gemüse oder, oder, oder.
Das Leben ist schnell. Das ist nicht unbedingt schlecht. Es gibt ja so viel zu tun! Trotzdem will der Esser heute gesund leben. Das lahme Salatblatt vom McDonald’s-Burger reicht da nicht mehr. Ist zwar schnell verdrückt, liefert aber kaum Vitamine. Anders als frisches Gemüse, Körner und der ganze Rest. Eine schöne Fundgrube an tollen Rezepten ist auch das Kochbuch «Leon. Fast Food Vegetarisch» (Dumont-Verlag). Es liefert eine lange, aber gute Liste an Grundnahrungsmitteln, die man sich am besten zulegt, um schnell etwas Feines kochen zu können. Verschiedene Arten von Mehl, viele Nüsse, Pelati, Öle, Hülsenfrüchte, Getreide, Kräuter und Gewürze. Ein Griff in den Kühlschrank oder die Einkaufstasche, und schon steht das Zmittag auf dem Tisch.
Und jetzt haben Sie Hunger? Essen Sie doch schnell was Feines. Ist ja Wochenende, und Fast Food kann gesund sein. Und abenteuerlustig.
Hier gibt’s noch eine hilfreiche Grafik, wie man sich einen gesunden Burger zusammenstellen kann.
 
Autor: Nina Kobelt
Quelle: Berner Zeitung
Grafik: Monika Frischknecht

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