Interview mit Günter (feRUS)

Hallo Günter, was gibt es Neues im feRUS?
Unser gesamtes Spirituosenangebot wurde überarbeitet. Mein Ziel war, wegzukommen vom Mainstream. So können wir besser auf den Trend eingehen, der seit gut zwei Jahren zu beobachten ist: Gin und Rum sind gefragter denn je. Da macht auch das feRUS mit, aber nicht nur mit Produkten, die jeder hat, sondern mit solchen, die speziell sind und eine Geschichte haben.
Eine Geschichte?
Ja, genau. Wir haben einen besonderen Gin, den Elephant-Gin, der eigentlich eher unspektakulär aus Deutschland stammt, aber eine gute Sache unterstützt. 15% des Verkaufserlöses geht nach Afrika, wo zwei Stiftungen unterstützt werden, die Lebensräume von Elefanten erhalten. Der Gin ist gut, die Geschichte dahinter ist gut. Bestellt nun jemand bei mir einen Gin, so frage ich, ob er oder sie Elefanten mag. Wenn ja, dann sage ich: Also, hilf ihnen! Das ist doch eine tolle Sache.
Kannst du schon etwas über die Sommer-Pläne verraten? Der Frühling naht ja in Riesenschritten.
Es wird eine Spezial-Karte mit neuen Cocktails geben. Zudem werden wir unseren Gästen die “mule” im Kupferbecher ans Herz legen. Die “mule” ist ein Mixgetränk, das aus Wodka besteht, dazu wird Ginger Beer und frischer Limettensaft gegeben. Mojitos mit Minze aus unserem eigenen feRUS-Garten rundet das Angebot ab.
Ich freue mich!
Ja, das wird spannend! Zusätzlich holen wir noch den Somersby, den Apfeldrink mit wenig Alkohol, wieder rein. Auch nicht fehlen darf der Almdudler! Ich als Österreicher brauche das, verbinde ihn mit meiner Heimat. Damit kann man wunderbare Panachés oder süsse Gespritzte machen.
Was ist das Coolste an deinem Job als Barkeeper?
Die Abwechslung! Kein Tag gleicht dem anderen. Und der Kontakt mit den Leuten. Herauszufinden, was ein Gast trinken möchte, das ist die Herausforderung. Ich möchte den Gästen auch etwas Neues zeigen. Im Moment bestellen viele Damen einen Aperol Spritz. Ich sage ihnen dann: „Nimm doch mal etwas Anderes. Ich mache dir einen Aperol, der anders ist.“ Sie fragen dann: „Anders?“ Und ich: „Ja. Besser!“ Das Ziel ist, den Leuten auch Neues zu zeigen. Nicht nur geradeaus, sondern auch einmal nach links und rechts zu schauen.
Das funktioniert?
Ja, zu 99% ist es dann so, dass sie meinen Drink besser mögen. Ich frage jeweils nach ein paar Schlucken nach und bekomme meist eine höchst positive Antwort.
Nun bin ich aber gespannt! Das probiere ich aus.
Normalerweise ist mir der Aperol zu bitter. Günter grinst verschmitzt und verschwindet in Richtung Bar. Innert kürzester Zeit zaubert er einen verführerisch hübschen Drink. Ich koste vorsichtig. Geschmacksexplosion im positivsten aller Sinne! Ein Bombendrink, den ich allen nur wärmstens empfehlen kann. Ladies, da lasst ihr alles andere stehen!
Aperol
Aperol-mal-anders
Günter verrät sein Rezept:
6 cl Aperol
2 cl Zitronensaft
2cl Orangensaft
2cl Zuckersirup
Schütteln, Eiswürfel und Garnitur dazu – fertig!
Was trinkst du am liebsten?
Reine Spirituosen: Rum. Bei Cocktails: einen Mojito, aber einen guten. Es gibt fast nichts Besseres! Aber es ist so schwierig, einen guten Mojito oder Caipirinha zu bekommen. Viele sind zu süss, zu stark oder zu bitter.
Wie bekommt man einen richtig guten Caipirinha hin?
Es gibt drei wichtige Punkte, die zu berücksichtigen sind.
1. Das Eis. Für mich sind es Eiswürfel, die original in den Drink gehören, nicht das crushed ice. Früher holte man sich das Eis in Blöcken und hackte Stücke daraus für die Drinks. Zudem verwässert der Drink auch nicht so schnell, er bleibt länger frisch.
2. Die Limetten. Ich arbeite nicht mit Limettenstücken, sondern nur mit dem Saft. In der Schale sind Bitterstoffe, die freigesetzt werden, wenn man die Stücke zu fest quetscht (und das tun sie alle). Ich presse die Limette aus und habe so nur die Süsse.
3. Der Zucker. Ich verwende nicht den braunen Rohrzucker, sondern Läuterzucker. (Zucker und Wasser zu gleichen Teilen mischen und aufkochen lassen.) Den weissen Zucker dazu hole ich jeweils selber in der Zuckermühle Rupperswil. Den bekommt man sonst kaum noch.
Man sieht, dass du Freude hast an deiner Arbeit.
Das ist meine Leidenschaft, Ich lebe dafür! Es ist mein Beruf, und ich mache ihn gut! Das ist so interessant, die ganze Bar-Geschichte, ein Fass ohne Boden. Und jedes Jahr kommt viel Neues dazu. Ich habe hier zudem viele Freiheiten, man lässt mich machen, ich darf Vieles ausprobieren. So kam auch die Idee der Spirituosen-Überarbeitung von mir. Und man sagte mir: „Ja, mach!“. Zusammen mit Franz von Easy Drink konnte ich das verwirklichen. Nun haben wir ein neues Sortiment, keinen Mainstream mehr, das ist eine super Geschichte!
Letzte Frage: Ich verbringe einen langen Abend an der Bar und trinke definitiv zuviel von deinen Drinks. Hast du einen Tip für meinen verkaterten Kopf am nächsten Morgen?
(lacht) Mein erster Rat ist, nicht zuviel durcheinander zu trinken, auch mal pur zu trinken. Kopfweh bekommt man meist von den vielen Fuselstoffen, die in billigen Spirituosen enthalten sind. Der Wodka vom Grossverteiler macht einen grösseren Brummschädel als ein teurerer, qualitativ besserer Wodka. Der tut weniger weh. Hat man mal einen Absturz, so hilft Wasser trinken, man kann den Alkohol besser ausschwemmen. Vor dem Schlafengehen schon mindestens einen halben Liter Wasser trinken. Das hilft gut – und vielleicht schon mal ein Aspirin für den Morgen bereitlegen.
 
Quelle: 13Minuten
Autor: Nora Kretz
Fotos: 13Minuten

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