NFT-Restaurants! WTF?!

Wer die letzten Monate nicht auf dem Mars verbracht hat, dem dürfte der Begriff NFT irgendwo begegnet sein. Der Hype erfasst immer mehr Bereiche in unserem Universum – auch die Gastronomie. Wir ordnen ein.

In weniger als einer Minute verkauften sich 1000 Mitgliedschaften für den New Yorker Flyfish Club (FFC). In Zeiten, in denen Adele-Tickets innert Sekunden ausverkauft sind, ist das an und für sich noch nichts Besonderes. Und auch exklusive Klubs gibt es seit der «Gentlemen’s Club»-Ära überall auf der Welt. Ein weiterer wäre also nicht der Rede wert.

Non-Fungible-Token als Eintrittsticket und Handelsgut
Aber. Besonders am zur VCR Group gehörenden Flyfish Club ist, dass er das erste Restaurant ist, bei dem Non-Fungible-Tokens (NFTs) als Mitgliedschaft fungieren. Das heisst: Man kauft sich einmalig ein. Ein reguläres Member-Token kostete beim Launch im Januar 2022 2,5 Ethereum (Blockchain-Währung). Das sind umgerechnet immerhin 7868 Franken. Dieses Member-Token gewährt einem Zutritt zur Cocktail-Lounge und zum «normalen» Speisesaal des Flyfish-Club-Lokals. Für das «Omakase», wo Sternekoch Masa Ito mehrgängige Sushi-Menüs serviert, braucht es ein Prime-Member-NFT. Kostenpunkt: 4,25 Ethereum – also rund 13 375 Franken (Stand März 2022).

Übrigens: Egal wie viel man für ein Token bezahlt, es gibt einem nur Zutritt zum Lokal, das im Frühjahr 2023 öffnen soll – Essen und Getränke zahlt man dort nach wie vor wie üblich.

Um das Ganze exklusiv zu halten, ist die Anzahl Mitgliedschaften beschränkt. Durch die Tokens sind die FFC-Mitgliedschaften aber übertragbar (anders als bei anderen Exklusivklubs) und lassen sich auch vermieten oder weiterverkaufen. Auf OpenSea (ein NFT-On­line-Marktplatz) hat ein Omakase-Märkli bereits zum ersten Mal den Besitzer gewechselt – für 10,49 Ethereum (rund 33 012 Franken). Von Verkäufen auf dem Sekundärmarkt profitieren auch die Schöpfer eines NFTs, in diesem Fall der Flyfish Club in New York.

Neue, innovative Form von Fundraising
Auch wenn keiner genau weiss, wie der Flyfish Club aussieht, wenn er (voraussichtlich im Frühling 2023) eröffnet wird, lässt sich heute schon mit Sicherheit sagen, dass das Lokal aus Finanzierungssicht ein Hit ist: Mit den bisher knapp 1500 verkauften Tokens hat die VCR Group 14 Millionen US-Dollar eingenommen. Notabene: Ein Restaurant, das erst in einem Jahr eröffnet, hat bereits 14 Millionen Dollar Umsatz gemacht! Das könnte man durchaus als kleine Sensation bezeichnen.

Gründer und CEO des Flyfish Clubs David Rodolitz ist überzeugt, dass das Konzept seiner Firma eine «bemerkenswerte Innovation» in der Gastronomie ist. «Dieses neue Finanzierungsmodell ermöglicht es uns, anders Geld zu verdienen – nachhaltiger.» Dank des bisherigen Erfolgs befänden sie sich an einem völlig anderen Ausgangspunkt als bei früheren Restaurants. «Wenn wir gute Arbeit leisten und weiterhin hart arbeiten, lässt sich damit unendlich viel erreichen.»

In erster Linie gilt es für den Flyfish Club jetzt erst einmal, die geschürten Erwartungen der Mitglieder zu erfüllen, damit sie viel Geld ausgeben im Restaurant und die Mitgliedschaft begehrte Ware bleibt. Denn bekanntlich ist alles nur so viel wert, wie andere dafür zu bezahlen bereit sind.

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