Arbeiten in der Gastronomie – jetzt erst recht!

Die Coronakrise verstärkt den Fachkräftemangel auch in der Gastronomie. Welche Fehler wurden gemacht? Wie kann der Arbeitsmarkt wieder fit gemacht werden? Markus Marthaler, HR-Experte, Notfallpsychologe und Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglied, gibt im Folgenden Antworten auf diese Fragen.

Nun liegen also die Tatsachen auf dem Tisch. Ähnlich wie im Bereich der Pflege fehlen geschulte Fachkräfte in der Gastronomie an allen Ecken und Enden. Wie so oft bei Krisen spülen sie auch Themen an die Oberfläche, die in der Vergangenheit nicht beachtet oder gar negiert wurden. Hat die Branche Fehler gemacht? Oder hat Corona Veränderungen, die sich bereits vorher in der Gesellschaft vollzogen, und deren Konsequenzen erst in die Sichtbarkeit gebracht?

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Veränderung bedeutet immer auch, Altes loszulassen, sich von vertrauten Verhaltensmustern zu lösen. Gerade dies ist nun gefordert, wenn es darum geht, die Gastronomie in all ihren wunderbaren Facetten für den aktuellen Arbeitsmarkt wieder fit zu machen. Das Befolgen der vier nachstehenden Schwerpunkte unterstützt Sie und Ihren Betrieb darin:

1 SINNHAFTIGKEIT DURCH EINE GELEBTE KULTUR

Dienstleistung beginnt immer bei den Mitarbeitenden. Vorgesetzte prägen die Stimmung im Unternehmen. Führen Sie Ihre Mitarbeitenden durch Wertschätzung und Empathie. Diese beiden Eigenschaften sind mehr als ein «Hype» im Führungsalltag von morgen. Verzichten Sie auf «Das haben wir schon immer so gemacht» – diese und andere Phrasen sind grosse Motivationskiller. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mitarbeitenden. Vertreten Sie klare Standpunkte, und führen Sie durch Vorbild, indem Sie zum Beispiel:

  • mit den Mitarbeitenden drei konkrete Werte für den gegenseitigen Umgang definieren;
  • festlegen, woran die Umsetzung im Alltag erkennbar ist;
  • durch regelmässige Gespräche reflektieren, wie es gelingt, Ziele zu erreichen.
2 VERANTWORTUNG UND BENEFIT

Viele Mitarbeitende sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Sie wollen integriert und informiert sein. Involvieren Sie die Menschen um sich herum, indem Sie transparent auch Betriebsergebnisse teilen. Haben Sie den Mut, Zahlen einzufordern und Mitarbeitende als Mit-unternehmer am Gesamten teilhaben zu lassen. Vorgesetzte, die als Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfer auftreten, fördern natürlich Arbeitskräfte, die ausführen, statt mitzudenken. Finden Sie einen guten Weg, bei dem es gelingt, die Mitarbeitenden auf dem Weg der Entwicklung Ihres Betriebes mitzunehmen.

  • Delegieren Sie kleine Projekte an Mitarbeitende.
  • Definieren Sie Benefits, mit denen Sie sich von Mitbewerbern abheben.
  • Honorieren Sie durch Ihr Lohnsystem Eigeninitiative und Verantwortung.
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3 WEITERBILDUNG UND ENTWICKLUNG

Die verschiedenen Generationen im heutigen Arbeitsmarkt sind wissbegierig. Sie wollen lernen, Erfahrungen sammeln und sich entwickeln. Setzen Sie sich ein für neue Formen des Lernens, unterstützen Sie digitale Möglichkeiten, und fordern Sie von den Verbänden zeitgemässe Bildungsangebote. Unterstützen Sie Ihre Mitarbeitenden, indem Sie Ihnen bei anderen Betrieben eine Job-Rotation, einen Seitenwechsel ermöglichen. Definieren Sie in Jahresgesprächen konkrete Entwicklungsziele. Bilden Sie sich sel-ber permanent weiter, damit Sie auch als Sparringspartner eine Führungsrolle einnehmen können.

4 ARBEITSFORMEN UND GESUNDHEIT

«Geht nicht, gibt’s nicht.» Dies gilt vor allem, wenn man über das vertraute Denken hinaus Ideen entwickeln möchte. Bereits in den Jahren zuvor, aber gezwungenermassen vor allem durch die Coronathematik, haben Mitarbeitende ein neues Verhältnis zu Arbeit und Freizeit definiert. Proaktive Arbeitgebende haben sich darauf eingestellt. So revolutionär es klingen mag, aber die nachstehenden Fragen mit entsprechenden Diskussionsmöglichkeiten müssen Platz finden, wenn die Tätigkeit in der Gastronomie für Menschen wieder attraktiv werden soll.



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