Kennen Sie Ihre grösste Stromsünde?

Zuerst die schlechte Nachricht: Strom wird vielleicht nie mehr so günstig sein wie bisher. Die guten News sind, dass man mit günstigen Massnahmen einfach teure Energie und damit Kosten sparen kann. Hier gibt’s Tipps vom Profi. Umsonst.

Hand aufs Herz: Wissen Sie, wie viel Sie für eine Kilowattstunde bezahlen? Und wie viel davon Sie jeden Tag brauchen, und wofür? Wenn ja: Gratulation. Wenn nein: Keine Sorge, Sie sind nicht allein. «70 Prozent der Anwender in der Gas­tronomie wissen nicht, wofür sie wie viel Strom verbrauchen und wie viel sie das kostet», sagt Urs Jenny, Präsident des Vereins Enak (Energetischer Anforderungskatalog an Geräte für die Verpflegung und Beherbergung). Und dieses Unwissen ist die grösste Stromsünde überhaupt. Denn: «Wer nicht weiss, was wie viel Strom braucht, verpasst es meist, Energiekosten zu sparen.» Doch 60 Prozent aller Gastronomiebetriebe haben Sparpotenzial – durchschnittlich 10 bis 15 Prozent schätzt Jenny.
Benutzerverhalten als entschei­dender Faktor

Zur Theorie: Die Energiekosten in gastronomischen Betrieben machen durchschnittlich 2,2 Prozent der Gesamtkosten aus. In der Hotellerie liegt der Wert bei 2,8 Prozent. Im Vergleich zu Personal-, Waren- oder Mietkosten sind das zwar relativ tiefe Beträge, doch das Einsparpotenzial im Energiebereich ist laut Jenny vergleichsweise hoch. Nicht zuletzt deshalb, weil das Benutzerverhalten zu 50 Prozent über den Energiebedarf eines Betriebs entscheidet, die anderen 50 Prozent fallen auf den Gerätekauf.

«Wenn wir davon ausgehen, dass die gesamten Energiekosten für die Grossküche in einem Restaurant zwischen 2,5 und 3,5 Prozent betragen, ist das – so die Statistik – mehr als der Reingewinn im Gastgewerbe. Mit anderen Worten: Wenn man die Energiekosten halbiert, so erhöht sich der Reingewinn um 50 Prozent», so der Experte. Deshalb seien die Energiekosten ein nicht zu vernachlässigender Wettbewerbsfaktor.

Kleine Verhaltensänderung, grosser Effekt
Viele Energiesparmassnahmen lassen sich darum ohne hohe Kostenfolgen realisieren. Oftmals stecke der Teufel im Detail. «Es sind kleine Dinge, die unnötig viel verbrauchen; zum Beispiel, wenn der Geschirrspüler nur halbvoll ausgelastet läuft, die Deckel beim Kochen nicht auf den Pfannen liegen, die Türen zu Kühlräumen unnötig lange offenbleiben und Maschinen eingeschaltet sind, wenn man sie nicht braucht», sagt Urs Jenny. Oftmals liessen sich Geräte viel energieeffizienter einsetzen. Es lohne sich, bei Herstellern entsprechende Hilfe zu holen und seine Belegschaft von ihnen schulen zu lassen.

Ein weiteres verhältnismässig einfaches Instrument, Energiekosten zu reduzieren, ist das Brechen der Stromverbrauchsspitzen. Zu Spitzen kommt es dann, wenn man mehrere Geräte oder Maschinen gleichzeitig laufen lässt und der Verbrauch dadurch kurzfristig über einen für den Betrieb bestimmten Wert steigt. Was viele nicht wissen: Elektrizitätswerke berechnen die Stromkosten in bestimmten Zeitabschnitten. In diesen gilt nicht der durchschnittliche oder kumulierte, sondern der höchste Verbrauch. Wer die Spitze in dieser Zeitperiode (je nach Anbieter beispielsweise 10 oder 15 Minuten) nur einmal durchbricht, zahlt für den Rest der Abrechnungsperiode den Preis dafür – anstelle der normalen 20 Rappen für die Kilowattstunde plötzlich 40 Rappen. Schweizer Energieversorger bieten Unternehmen übrigens einfache Messungen im Betrieb an, sogenannte Lastgangsanalysen, die ihnen diese Spitzen aufzeigen.

Genau hinsehen lohnt sich
Energiesparen heisst also in erster Linie, über die Bücher des eigenen Betriebs gehen. «In Anbetracht dessen, dass Strom in den nächsten Jahren knapper und teurer wird, lohnt es sich, ganz genau hinzusehen», sagt Stromexperte Jenny. Denn diese 10 bis 15 Prozent, die sich mit einfachen und kurzfristig realisierbaren Massnahmen wie richtiger Gerätehandhabung oder Brechen von Stromspitzen sparen lassen, sind die billigsten. Wer mehr Strom sparen will, muss tiefer in die Tasche greifen. In einem nächsten Schritt heisst es dann, alte Maschinen und Systeme durch neue und effizientere zu ersetzen. Das kostet, zahlt sich allerdings langfristig in Einsparungen aus.

Einfache EnergiesparTipps

  • Schalten Sie alles Mögliche aus
    Die einfachste, aber effizienteste Massnahme überhaupt: Schalten Sie aus, was Sie ausschalten können. Sei es die künstliche Beleuchtung, wenn draussen die Sonne scheint, oder Küchengeräte, die vergeblich auf Arbeit warten. Und trennen Sie Geräte vom Netz, die Sie nur selten benutzen.
  • Meiden Sie Spitzenlasten
    Versuchen Sie, grosse Verbraucher (wie Abwaschmaschine, Waschmaschine, Tumbler etc.) gestaffelt in Betrieb zu haben, damit Sie nicht in die vom Elektrizitätswerk vorgegebene Spitzenlast fallen.
    Gehen Sie über die Bücher
    Halten Sie Halbjahres- und Jahresverbrauch von Strom, Heizöl, Gas und Wasser fest, und vergleichen Sie die Werte mit dem Vorjahr. Wenn etwas aus dem Rahmen fällt, schauen Sie hin. Einfache Messungen können Klarheit bringen. Die gibt’s vom Stromversorger gratis und franko.
  • Holen Sie Ihre Mitarbeitenden ins Boot
    Lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, was Sie im Energiebereich vorhaben und was Sie damit erreichen möchten. Geben Sie ihnen die Möglichkeit, sich einzubringen, und belohnen Sie gute Ideen. Wichtig ist auch: Zeigen Sie erreichte Einsparungen auf.
    Die einfachste, aber effizienteste Massnahme überhaupt: Schalten Sie aus, was Sie ausschalten können. Sei es die künstliche Beleuchtung, wenn draussen die Sonne scheint, oder Küchengeräte, die vergeblich auf Arbeit warten. Und trennen Sie Geräte vom Netz, die Sie nur selten benutzen.
  • Meiden Sie Spitzenlasten
    Versuchen Sie, grosse Verbraucher (wie Abwaschmaschine, Waschmaschine, Tumbler etc.) gestaffelt in Betrieb zu haben, damit Sie nicht in die vom Elektrizitätswerk vorgegebene Spitzenlast fallen.
    Gehen Sie über die Bücher
    Halten Sie Halbjahres- und Jahresverbrauch von Strom, Heizöl, Gas und Wasser fest, und vergleichen Sie die Werte mit dem Vorjahr. Wenn etwas aus dem Rahmen fällt, schauen Sie hin. Einfache Messungen können Klarheit bringen. Die gibt’s vom Stromversorger gratis und franko.
  • Holen Sie Ihre Mitarbeitenden ins Boot
    Lassen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, was Sie im Energiebereich vorhaben und was Sie damit erreichen möchten. Geben Sie ihnen die Möglichkeit, sich einzubringen, und belohnen Sie gute Ideen. Wichtig ist auch: Zeigen Sie erreichte Einsparungen auf.

 

Text Michaela Ruoss
Fotos ZVG

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