Tiger an der Wand und Rock 'n' Roll im Hotel

Fast scheint es, als ob sich ein österreichischer Globe­trotter in die Bündner Berge verirrt hätte. Sein lang­jähriger Karriereweg nach Davos ist schon mal ausser­gewöhnlich und das Hotel, das Florian Walther dort führt, ebenso: Hard Rock Hotel.

Es ist sein Lieblingstier und gleichzeitig sein chinesisches Sternzeichen. Ein Tiger-Grossgemälde dominiert das Büro von Florian Walther, 48, und widerspiegelt zugleich Charakter und Angriffslust des Hoteldirektors. So hat ihn der Hotel- und Gastgewerbe-Beruf, in Wien gelernt, durch die ganze Welt geführt, quer durch Deutschland beispielsweise oder dann nach Algerien und Gabun in Zentralafrika. Kraft und Motivation hat er auch heute noch, auch wenn er zugibt, dass die vergangenen vier Monate von Dezember 2021 bis März 2022 für die Hotellerie in Davos äusserst intensiv waren.

Abenteuer in einem komplett neuen Markt
Schon die Tatsache, dass Hard Rock International vor vier Jahren überhaupt den Weg ins Landwassertal gefunden hat, ist speziell. Denn bis dato führte der Konzern, der dem indigenen Stamm der Seminolen in Florida/USA gehört, über 170 Hard Rock Cafes und ein Dutzend Casinos. Und dies in meist nicht­europäischen Städten. Das Hotel-Business der Gruppe ist jung – und Davos machte auf dem europäischen Festland den Anfang. Die Amerikaner fanden mit der International Hospitality Services AG (IHS), Eigentümerin des früheren Spenglers-Inn-Hotels, einen Partner, der gewillt war, eine völlig unbekannte Marke in einen für Hard Rock komplett neuen Markt einzuführen.
Auch wenn das erste Hard Rock Cafe an der Old Park Lane in London bereits am 14. Juni 1971 eröffnete – mit diesem Player hatte man in Davos nicht gerechnet. «Wir hatten zwar einen Topbrand, den hier aber niemand kannte. Hard Rock Hotel biss auf Neuland und brauchte viel Zeit, um sich in Davos zu etablieren und eine eigene Kundschaft aufzubauen», resümiert Florian Walther. Die 79 Zimmer und 15 Apartments, die auch zum Kauf angeboten werden, galt es zu füllen. Man begann 2018 mit fünf Millionen Franken Umsatz, steigerte sich im Jahr darauf auf 7,6 und 2020 auf 9,6 Millionen Umsatz. Es schien eine richtige Erfolgsgeschichte zu werden; heute mit 95 Angestellten und mit bis zu 90 Prozent Schweizer Gästen.

Schock und Krisen­management
Aber dann kam die Pandemie. Ab März 2021 stotterte zeitweise die Nachfrage, auch wenn man letztlich das Geschäftsjahr nur wenig unterhalb des Vorjahres abschloss. Der richtige Schock kam erst im Dezember, als innert weniger Tage sowohl der Spengler Cup (über die Weihnachtszeit) wie auch das Weltwirtschaftsforum WEF von Mitte Januar 2022 abgesagt wurden. «Aber ich war gut vorbereitet», sagt Walther. «Während meiner Karriere habe ich beispielsweise in Nigeria oder China gelernt, jederzeit für das Unerwartete bereit zu sein. Dass der Spengler Cup annulliert wurde, war zwar schade. Aber wir haben alle eingebuchten Eishockey-Fans persönlich angerufen, um sie zu überzeugen, trotz Turnierabsage ein paar Tage in die Ferien nach Davos zu kommen. Und zudem kamen Neubuchungen vor allem von Familien aus dem Grossraum Zürich rein.» Betreffend WEF gab es ja schon früh Anzeichen, dass das Forum möglicherweise nicht im vollen Rahmen stattfinden würde. Hard Rock Hotel Davos hatte einige Firmen eingebucht, und zwar inklusive Aufbau- und Abbauperioden, und verfolgte in diesem B2B-Bereich eine strengere Annullationspolitik. Und dann füllte sich der Monat Januar kurzfristig doch noch recht gut. «Letztlich sind wir wirklich mit einem blauen Auge davongekommen.»

Wachstum motiviert
So sieht der Österreicher der näheren Zukunft optimistisch entgegen. Das Hard Rock Hotel Davos konnte sich durch die Krise mausern – und während dieser anderthalb Jahre sogar neue Stammkunden finden. Allerlei Gäste, jung und alt, auch viele Familien. Die exzellente Lage, 100 Meter von der Schatzalp-Bahn entfernt, hilft genauso wie das spannende Ambiente im Hotel. Natürlich, Musik läuft hier immer. Und Lobby und Restaurant sind mit echten Rockmusik-Memorabilien dekoriert – Elvis und Michael Jackson lassen grüssen. Zudem finden jeden Freitag- und Samstagabend «Live Music Sessions» mit Rock, Pop und Punk statt. Das Produkt stimmt, neu als Viersternehotel, auch dank einem grossen Fitness- und Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad und Kneipp-Becken. Und im Merchandising-Shop schaut auch fast jeder Gast vorbei. Immerhin generiert das Hotel über 300 000 Franken mit den Hard-Rock-Souvenirs. Florian Walther wird aber auch durch die Entwicklung der Hard Rock Hotels in Europa motiviert. Davos machte den Anfang, mittlerweile eröffnete die Gruppe eigene Hotels unter anderem in London, Dublin, Amsterdam, Madrid und Budapest. Die Kontakte zu den anderen Hoteliers helfen Florian Walther, sein eigenes Produkt noch besser zu entwickeln und über die anderen europäischen Hotels Kunden zu animieren, auch Davos zu besuchen. Gute Zeiten kommen auf Walther zu. Und wenn dann alles gut läuft, kann er vielleicht häufiger mit seinem Motorrad durch die Berge fahren und sich, zumindest ein bisschen, wie ein richtiger Rock ’n’ Roller fühlen. Mit dem Tiger im Tank. Wie auf dem Bild, welches Florian Walther einst in Port-Gentil in Gabun erworben hat.

Text Daniel Tschudy
Fotos ZVG

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